Elefanten-Schuhe werden 80 Jahre alt
Von der Verkümmerungsmaschine zum Gesundheitsschuh
Er hat ungezählte Generationen von Kindern auf ihrem Weg ins Leben begleitet - der rote Elefant, das Markenzeichen der Elefantenschuhe. Das Licht der Markenwelt erblickte er vor 80 Jahren - am 2. Mai 1928, um genau zu sein. An diesem Tag wurde die Marke beim Reichspatentamt in Berlin eingetragen. Ihren Anfang nahm die Geschichte allerdings schon früher - und zwar in Kleve - am Niederrhein. Dort gründete Gustav Hoffmann, das älteste von sechs Kindern eines Händlers für Schuhmacherbedarf, mit seinem aus Berlin stammenden Schwager Fritz Pannier 1896 eine Fabrik, die ausschließlich Kinderschuhe herstellte.
Das war für die damalige Zeit eine Revolution. Bis dahin waren Kinderschuhe nämlich nur verkleinerte Versionen der Schuhe, die Erwachsene trugen. Man war der Meinung, der Kinderfuß werde sich den Schuh schon passend machen. Doch die Folgen für die Fußgesundheit waren verheerend: Kinderschuhe seien „wahre Verkümmerungsmaschinen“, so das vernichtende Urteil des berühmten Gesundheitsexperten Pfarrer Sebastian Kneipp.
Pannier und Hoffmann stellten nun erstmals Kinderschuhe mit unterschiedlichen Leisten für den linken und den rechten Fuß her - das Schuhwerk näherte sich der menschlichen Anatomie an. Die Produkte der beiden, unter Namen wie "Robinson" und "Dornröschen" vertrieben, hatten Erfolg. Gleichwohl trennten sich die Wege der Unternehmer 1908. Damit sie sich nicht gegenseitig ins Gehege kamen, vereinbarten sie, dass Hoffmann nur Schuhe bis Größe 26 herstellen dürfe, sein Partner die Größen darüber. Einig blieben beide in dem intensiven Bestreben, ihre Produkte zu verbessern. So führte Hoffmann 1910 beispielsweise "Dr. Koch’s Normalschuh mit biegsamer Sohle" ein.
Stichtag: 2. Mai 1928
Der große Durchbruch kam Ende der zwanziger Jahre, als Hoffmann 1927 von einem Hamburger Schuhgroßhändler die Marke Elefanten erwarb und diese am 2. Mai 1928 beim Reichspatentamt in Berlin eintragen ließ. Fortan setzte er konsequent auf den Ausbau der Qualitätsmarke für Kinderschuhe. Ende der 20er Jahre stellte Hoffmann mit rund 3.000 Arbeitern täglich rund 17.000 Paar Schuhe her. Als er am 2. Februar 1935 an einem Herzinfarkt starb, war er allerdings nicht mehr Herr im eigenen Haus. Zwei Jahre zuvor hatte er sein Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umwandeln müssen - eine Folge der Weltwirtschaftskrise, die auch Hoffmann in Zahlungsschwierigkeiten brachte. Aus den Gläubigern wurden Aktionäre.
Die meisten Anteilsscheine erhielt die Freudenberg-Gruppe, Lederlieferanten aus dem badischen Weinheim, die 1935 alle anderen Aktionäre herauskaufte. An der Spitze des Unternehmens installierten die neuen Besitzer den damals gerade 29 Jahre alten Betriebswirt Dr. Walther Siegert. Er führte das Unternehmen bis zu seiner Pensionierung 1969 insgesamt 36 Jahre lang sehr erfolgreich.
Im Zweiten Weltkrieg wurden die Werke von Hoffmann in Kleve und anderen Orten am Niederrhein schwer beschädigt. Ab 1945 konnte die Produktion jedoch unter schwierigsten Bedingungen wieder aufgenommen werden. Im November 1946 betrug die Tagesproduktion schon wieder 4.800 Paar Schuhe.
Erstmals Tausende von Kinderfüßen vermessen
Mit dem Wirtschaftswunder nahm auch die Marke Elefanten wieder einen steilen Aufschwung. Zu Beginn der 50er Jahre arbeiteten wieder mehr als 3.000 Frauen und Männer in den Werken von Hoffmann, die Jahr für Jahr eine halbe Million Paar Kinderschuhe herstellten - jedes dritte Kind in Deutschland trug damals Elefanten-Schuhe.
Elefanten-Schuhe setzten vor allem in Sachen Qualität immer neue Maßstäbe. So brachte das Unternehmen 1955 den "Torsana"-Schuh auf den Markt, der dank flexibler Laufsohle der Bewegung des Fußes beim Laufen ("Torsion") folgen konnte. Besondere Bemühungen investierten die Elefanten-Forscher in die Verbesserung der Passform: In Zusammenarbeit mit Orthopäden wurden 1959 erstmals Tausende von Kinderfüßen in Deutschland systematisch vermessen und daraus neue Maßtabellen für die Herstellung der Leisten entwickelt. Das Fundament für eine kontinuierliche Forschungs- und Entwicklungsarbeit war gelegt.
Auf der Basis dieser Messungen entwickelte Elefanten 1960 den T3-Schuh - und schuf damit in der Branche neue Standards: 1962 veröffentlichte die Gustav Hoffmann GmbH sämtliche Maßtabellen, die dann 1965 in das vom Arbeitskreis Kinderschuhe gebilligte Maßsystem „aka 64“ übergingen. Damit wurden die Ergebnisse der Entwicklungsarbeit bei Elefanten auch anderen Herstellern zugänglich gemacht. Mit diesem Standard wurden 1966 rund vier Fünftel des Angebots an deutschen Kinderschuhen hergestellt.
"el chico" und WMS wurden zum Begriff
Der Erfolg der Elefanten-Schuhe ließ das Unternehmen immer weiter expandieren - in den 60er Jahren verging kein Jahr, in dem Hoffmann nicht neue Betriebe eröffnete (zum Beispiel in Ostfriesland) oder andere Firmen übernahm. Den Höhepunkt erreichte diese Entwicklung Anfang der 70er Jahre, als 4.200 Mitarbeiter in 23 Betriebsstätten mehr als neun Millionen Paar Schuhe pro Jahr herstellten. 1960 wird der neue Elefanten T3-Schuh vorgestellt. 1964 folgt der neuartige Lauflernschuh "el chico". Er wird zum meistverkauften Lauflernschuh der Welt.
Das ständige Bemühen, die Qualität der Produkte zu verbessern, führte 1974 zu einem weiteren Quantensprung. In diesem Jahr startete das Unternehmen das gegenüber den vorherigen Tabellen nochmals verbesserte Weiten-Maß-System (WMS). Es leitete die Entwicklung von Kinderschuhen in verschiedenen Breiten (weit, mittel, schmal) ein. Das Weiten-Maß-System, dessen Vorgaben vom Arbeitskreis Kinderschuhe ständig überprüft werden, stellt sicher, dass bei der Serienproduktion die natürlichen Fußproportionen berücksichtigt werden. Es hat sich seit Jahrzehnten in der Praxis bewährt und trägt dazu bei, Schädigungen des Kinderfußes durch falsches Schuhwerk zu vermeiden. Das System wird kontinuierlich weiterentwickelt.
Produktion ging nach Asien.
Wirtschaftlich begann der Elefant allerdings in den 70er Jahren bereits aus dem Tritt zu geraten. Ein wesentlicher Grund war der Pillenknick. In Deutschland hatte er zur Folge, dass sich innerhalb weniger Jahre die Geburtenzahlen fast halbierten. Der Markt für Kinderschuhe brach ein. Hinzu kam, dass die Arbeitskosten in der Produktion kontinuierlich stiegen. Das Management suchte dringend nach Auswegen. Wie andere Hersteller auch verlagerte man die Produktion zunehmend ins Ausland und wollte in den dortigen Märkten auch expandieren. Hoffmann startete Unternehmungen in Brasilien, im Iran und in Finnland. Sie alle brachten aber nicht den erwünschten Erfolg.
Im Jahr 2000 musste die Produktion in Kleve, dem Stammsitz des Unternehmens, endgültig aufgegeben werden. Die Produktion wurde immer internationaler und arbeitsteiliger organisiert. So wurden zum Beispiel die Schäfte der Schuhe in Südostasien bzw. Osteuropa produziert und in einem Werk in Portugal die Kunststoffsohle angefügt.
Ungünstige demografische Entwicklung
2001 verkaufte die Freudenberg-Gruppe das Traditionsunternehmen an den britischen Hersteller Clarks, der nach mehreren Restrukturierungsversuchen im Juli 2004 die Schließung des Unternehmens vollzog. Als Hauptursache nannte Clarks "die ungünstige demografische Entwicklung im Kernabsatzmarkt Deutschland".
Vor allem die Bevölkerungsgruppe mit höherem Bildungsniveau und höherem Einkommen trage überproportional zum Nachwuchsmangel bei - der Markt in der Hauptzielgruppe für Elefanten-Schuhe schrumpfe somit dramatisch.
Mit Forschung und Entwicklung immer einen Schritt voraus
2004 wurde der Geschäftsbetrieb in Kleve eingestellt. 2005 erwarb DEICHMANN die Markenrechte und brachte bereits im Frühjahr 2006 seine erste Elefanten-Kollektion mit WMS-Siegel auf den Markt. Durch die Spezialwerkzeuge und Leisten, die DEICHMANN beim Erwerb der Marke mit übernommen hatte, sowie die Zusammenarbeit mit den gleichen Lieferanten wie Elefanten und die Übernahme einiger Spezialisten, ist es Europas größtem Schuheinzelhändler gelungen, die Qualitätsstandards der Marke zu erhalten und durch die Fortsetzung der Forschungsarbeit kontinuierlich weiterzuentwickeln. Die Entwicklung der patentierten Laufsohle "elefanten free" und des wärmeregulierenden Dryz-Fußbetts sind die ersten Ergebnisse jüngster Forschungsarbeiten. Einige Modelle der Elefanten-Schuhkollektion Frühjahr/Sommer 2008 wurden bereits mit der besonders flexiblen Sohle und der Dryz-Spezialfaser ausgestattet.
DEICHMANN präsentiert seinen Kunden die etwa 75 Modelle umfassende Kollektion nicht nur in den rund 1.000 Filialen in Deutschland, sondern in 14 weiteren europäischen Ländern; und auch in den USA ist Elefanten wieder zu haben. Erhältlich sind Elefanten-Schuhe ab Größe 17 für die Jüngsten als Krabbelschuhe und Lauflerner bis hin zu Schuhen für Jugendliche bis Größe 36.
Weitere Informationen und Kontakt:
Heinrich Deichmann-Schuhe GmbH & Co. KG
Deichmannweg 9
45359 Essen
Ulrich Effing
Leiter Unternehmenskommunikation
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ulrich_effing@deichmann.com
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